Was lange währt, wird gut. In der Osternachtsfeier erstrahlte unser neuer Kronleuchter erstmalig. Damit ging eine lange Zeit des Ringens um die beste Lösung zu Ende. Der Kirchenvorstand hat es sich wahrlich nicht leicht gemacht, verantwortungsvoll über die vielen Spendengelder zu entscheiden.
Herzlichen Dank sagen wir allen, die zur Existenz dieses Leuchters durch Spenden und Aktivitäten beigetragen haben!
Nun sind die Vorraussetzungen geschaffen, dass viele Generationen seinen Dienst nutzen.
Das Besondere an ihm ist die Nachbildung unseres Kirchgemeindesiegels bestehend aus Krebs und Krone.
Der Krebs steht für unseren sorbischen Namen Rakecy. Seit der Jahrtausendwende gibt es im Seitenarm des Schwarzwassers zwischen Pfarre und Kirche auch wieder Krebse sehr zur Freude der Kinder. Die Wiederkehr der Krebse verdeutlicht uns, wie kraftvoll Gottes Schöpfung menschlicher Umweltzerstörung trotzt. Bei aller Bewegung im Artenreichtum unserer Heimat tun wir gut daran, diese Rückkehr nicht aus dem Auge zu verlieren. Vor 20 Jahren hat jedenfalls kaum einer daran geglaubt.
Über dem Krebs befindet sich die Krone. Mancher mag daran denken, dass im deutschen Namen der König Erwähnung findet.
Vermutlich gab es in unserem Ort eine Warthe, also eine Grenzstation des Königreiches.
Die längste Zeit gehörte »Konigeswarte« zur böhmischen Krone. Den vorderen Kronleuchter ziert daher auch der böhmische Doppeladler. Wer sich unsere Krone im Siegel genauer ansieht, wird das Kreuz in dieser entdecken. Dies verdeutlicht: Christus ist unser König. Er ist unser Herr, an den wir glauben und den wir um Erbarmen bitten. Die Krone symbolisiert den Sieger ebenso wie der Kranz. Kranz und Krone sind in der biblischen Sprache austauschbar. In manch bitteren Zeiten hingen Kränze an den Emporen. Sie erinnerten an die Gefallenen. Der Kranz aber verdeutlichte: Christus ist der Sieger über den Tod. Über allem Leid, das manchen beschwert, der sich in unserem Kirchenschiff einfindet, steht einer: Christus. Und er ist der Sieger.
Im letzten Buch der Bibel – der Offenbarung – Kapitel 12, sieht Johannes die Himmelskönigin. Unter Schmerzen gebiert sie den Messias. Auf deren Haupt befindet sich eine Krone mit zwölf Sternen. Unser Leuchter hat zwölf Lampen. Dies widerspiegelt eine alte christliche Erfahrung. Christus das Licht ist immer da. Die persönliche Wahrnehmung geschieht häufig erst in schwerer Bedrängnis.
Was Frau Langhammer für die Gemeinde geleistet hat konnte man im »kalender« nachlesen. Manchen war noch in Erinnerung, dass Frau Langhammer früher u.a. als Busschaffnerin gearbeitet hat. So war es eine gelungene Überraschung, als zum Auftakt der Feier zum 80.Geburtstag ein Oldtimer-Bus die Gäste aufnahm und zur Andacht in die Kirche brachte. So konnte Frau Langhammer mit Hilfe der Originalausstattung eines Busschaffners den Fahrpreis in Originalwährung (den sogenannten Alu-Chips!) kassieren.
Traditionell wirkten am diesjährigen Erntedankfest wieder die Kinder aus dem Kindergarten in Trägerschaft des Christlich-Sozialen Bildungswerkes mit. Dabei tragen Kinder aus der Krabatgruppe, die nach einer sagenhaften historischen sorbischen Persönlichkeit benannt ist, sorbische Tracht.
Wenn wir in diesem Jahr unser Reformationsfest feiern, werden vielleicht die Gedanken von manchem zurück zu unserer Gemeindeausfahrt am 1. Juli nach Wittenberg gehen. Auf dem Weg dahin fuhren wir durch Torgau, wo der »Urkantor« der lutherischen Kirche, Johann Walter, die erste Kantorei gründete. Sein Lied »Wach auf, wach auf, du deutsches Land!« ist ein Weckruf, der nötiger denn je ist, aber gerade aus dem Grund weitestgehend ignoriert wird.
In der Schlosskirche in Wittenberg feierten wir Gottesdienst mit unseren afrikanischen Gästen. Sie standen dort am »Geburtsort der Mutter ihrer Kirche«. Sie sprachen es zwar nicht aus, aber manches Mal, zum Beispiel in diesem Gottesdienst, machte »ihre Mutter«, also die Ev.-luth. Kirche Deutschlands einen senilen Eindruck. Häufig geht es um das Essen und Trinken, der Gesang ist schwach und die Verwirrung wird immer stärker. Die jugendliche Begeisterung ist nur noch eine Sache der Erinnerung. Aber dennoch ist es die Mutter ihrer Kirche und als solche wird sie von ihnen geliebt.
Am Nachmittag besuchten wir die Stadtkirche, die mit ihren beiden Türmen ein Symbol für die Bedrängnisse der Lutheraner ist. Die beiden Kirchtürme wurden im Schmalkaldischen Krieg als Plattform für Verteidigungskanonen verwendet. Kurz nach der Geburt drohte dieser Krieg das »Kind Lutherische Kirche« zu töten. Während dieses Überlebenskampfes wurde der Lucas-Cranach-Altar im Inneren eingeweiht. Die vier Bildtafeln widerspiegeln den 7. Artikel des von Philipp Melanchton verfassten Bekenntnisses von Augsburg 1530: »Es wird gelehrt, dass allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muss, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente (Taufe, Abendmahl, Beichte) laut dem Evangelium gereicht werden.«
Wenn wir am 31. Oktober das Reformationsfest feiern, dann geht es darum dieses Zentrum von allen Nebensächlichkeiten freizuräumen. Dann gibt es die Chance, wieder »jung zu werden, wie ein Adler«.